Naturreine ätherische Öle

In den einzelnen Teilen versuche ich den Leitfaden für ätherische Öle mal etwas anders zu definieren. Der Leitfaden steht in jedem fundierten Buch über ätherische Öle, Aromatherapie und auf jeder fundierten Webseite - seitenfüllend. Er wird immer noch als gültige Richtlinie angesehen, um ein genuines ätherisches Öl von einem gepanschten oder rein synthetischen Dufterlebnis zu unterscheiden.

Unser Leitfaden für ätherische Öle existiert seit vielen Jahrzehnten und entstand vor den europäischen Gesetzgebungen. Ich finde, es ist an der Zeit diesen Leitfaden etwas aufzuhübschen und zeitgemäß anzupassen.

Teil 1 - Der botanische Name

Teil 2 - Das Herkunftsland

Warum dieser Leitfaden so wichtig ist, werde ich ihn ausführlich erklären:

Der Anbau der Pflanze

Irgendwo auf dieser Welt ist einmal eine Pflanze gewachsen, die sich in destillierter Form im Fläschchen wiederfindet.

Konventioneller Anbau

Hier werden chemische Düngemittel, Pestizide und Herbizide auf die Pflanze ausgebracht. Diese finden sich auch im ätherischen Öl wieder.

Kontrolliert-biologischer Anbau

Nach EG-Verordnung oder demeter zertifizierte Bioqualität. Hier dürfen keine chemischen Düngemittel, Pestizide und sonstigen Stoffe, wie z.B. Insektizide oder Herbizide verwendet werden und es gelten die Richtlinien und Auflagen des jeweiligen Bioverbandes.

Wildsammlung

Hier werden die Pflanzen der Landschaft entnommen und es findet keine Wiederanpflanzung statt.

Der Anbau am Beispiel der Zitrusfrüchte

Besonders kritisch sind hier die Zitrusöle zu bewerten, die ja fast überall für die Aromaküche beworben werden. Der Hinweis auf eine bio-Qualität zu achten, fehlt leider bei fast jeder Angabe darüber.

Ein konventionelles Zitrusöl wird aus der Schale mittels Kaltpressung hergestellt und alles, was an Pestiziden, Wachstumsregulatoren, Fungiziden, Insektiziden, Herbiziden und Nematiziden auf die Schale aufgebracht wurde, befindet sich anschließend im ätherischen Öl wieder.

Die bio-Qualitäten der Zitrusöle sind dagegen schadstofffrei, bzw. kaum belastet.

Der verwendete Pflanzenteil

Bestimmt kennen Sie auch die Etiketten, wo einfach nur Nelke oder Zimt deklariert ist. Nur aus welchem Pflanzenteil besteht der Inhalt des Fläschchens?

Denn Zimt kann aus den Blättern und der Rinde destilliert werden. Ein Nelkenöl dagegen kann aus den Blättern, den Knospen und den Stielen gewonnen werden.

Der Unterschied liegt allerdings sehr deutlich in der biochemischen Ausrichtung des ätherischen Öles. So ist ein Nelkenknospen- oder Zimtrindenöl deutlich stärker in der Wirkung, als ein Blattöl. Während das Blattöl von Nelke und Zimt wiederrum weniger hautreizend ist. Auch im Duft unterscheiden sich die Öle aus unterschiedlichen Pflanzenteilen deutlich.

Der Chemotyp

Hier gibt es unterschiedliche biochemische Ausprägungen, die sich ganz komplett voneinander unterscheiden und als eigenständige Qualitäten beurteilt werden müssen. Beispiele sind hier der Thymian Linalool oder Thymol oder der Eukalyptus radiata und Eukalyptus globulus. Und so muss der Chemotyp aufgedruckt sein.

Gewinnungsverfahren des ätherischen Öles

Die Gewinnungsverfahren der Düfte sind die Wasserdampf-Destillation, Kaltpressung oder Extraktion. Neu ist das Verfahren der CO 2 - Destillation. Hier können Sie sich informieren, wie mit diesen Verfahren ätherische Öle gewonnen werden.

Wichtig ist, dass bei den Extraktionen die Angabe des Lösungsmittels erfolgt und ob das Produkt rückstandskontrolliert ist. Ein Absolue, wie z.B. Jasmin lässt sich nur mit Hilfe von Hexan gewinnen. Erst nach dem Auszug mit Hexan liegt das Duftergebnis vor.

Die Enfleurage ist wohl die älteste Methode der Menschheit um Duftstoffe zu gewinnen. Allerdings hat diese Methode ihren Preis. Ich habe bisher kein einziges ätherisches Öl aus Enfleuragegewinnung gesehen, dessen Preis von 1 ml (20 Tropfen) ätherisches Öl unter 90 EUR gelegen hat.

Das Mischungsverhältnis

Es gibt eine Reihe von sehr teuren Düften, die mit Weingeist, Alkohol oder Jojobaöl verdünnt werden. Es handelt sich hier meist um Vanille, Rose, Frangipani oder Melisse, also die ganz teuren ätherischen Öle. Oder um Co-Destillationen, bei denen eine Pflanze zusammen mit einer anderen destilliert wird. Wie z.B. das Wiesenköniginöl, das aus der Wiesenkönigin (Mädesüß) und Rosmarin besteht oder die Melisse 30 % von Primavera, die aus Melisse und Lavendelöl besteht.

Bei allen Mischungen und Co-Destillationen muss der botanische Name der zweiten Pflanze und bei Verdünnungen sollte das Mischungsverhältnis in Prozent und die Art des Verdünnungsmittel, wie z.B. Alkohol deklariert sein.

Füllmenge und Chargennummer

Unter der Chargennummer können Sie bei Ihrem Lieferanten die biochemischen und physikalischen Testergebnisse abgerufen. Dies ist besonders wichtig, wenn das ätherische Öl für aromamedizinische Zwecke eingesetzt werden soll.

Die ätherischen Öle werden in Glasflaschen angeboten, da manche von ihnen Kunststoffe angreifen und auflösen können. Das Glas muss dunkel sein, da Licht die Qualität der Öle negativ beeinflusst.

Vermerk: Nur zur Wohnraumaromatisierung und die Gefahrgutzeichen

Diese werden dann aufgedruckt, wenn das ätherische Öl als sogenannter Bedarfsgegenstand in den Handel kommt. Bestimmt ist Ihnen bereits aufgefallen, dass sehr viele Gefahrgutzeichen auf den Ölen zu finden sind. Das kommt daher, da die ätherischen Öle als Bedarfsgegenstände unter die europäische REACH-Verordnung fallen, in der alle chemischen Stoffe zusammengefasst wurden.

Viele Hersteller gehen dazu über die ätherischen Öle nach der europäischen Kosmetikverordnung in den Handel zu bringen.

Wird das ätherische Öl als Arzneimittel angeboten, fällt es unter das Arzneimittelrecht und benötigt eine offizielle Zulassung.

Ätherische Öle sind allerdings auch Lebensmittel und fallen in diesem Bereich unter die Lebensmittelverordnung.

Die vollständige Firmenadresse

Denn bei Reklamationen sollte man sich auch an den Lieferanten direkt wenden können.